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Münchner Thementage

Thementag vom 3. Juli 2010, 10:00 Uhr – 15:30 Uhr
im EineWeltHaus München (Schwanthaler Str. 80)

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(Thementag im EineWeltHaus in München - Konferenzraum)

Buspad Süd hat am 3. Juli 2010 im EineWeltHaus in München eine Veranstaltung mit dem Arbeitstitel „Reichtum in Deutschland oder Glück in Burkina Faso?“ organisiert. Siehe Flyer im Anhang.
Dabei handelte es sich um ein Colloquium, bzw. einen Thementag mit dem Fokus auf einem regen Austausch mit Diskussionsimpulsen aus unterschiedlichen Fachgebieten und Perspektiven. Um dies zu ermöglichen, haben Experten aus ihren Fachbereichen und/oder ihren Lebenserfahrungen vorgetragen. Die Sach-und Fachvorträge wurden zwar kurzgehalten, um den großmöglichsten Raum für Gespräch und Diskussion zu schaffen. Jedoch wurde auch konzipiert, dass alle Vortragenden während des ganzen Thementages für den Austausch mit den Teilnehmern zur Verfügung stehen. Diese Tatsache wurde auch in den Vereinbarungen für Honorar bzw. Aufwandsentschädigung berücksichtigt.
Ein anderer Aspekt der Konzeption der Veranstaltung als Forum für Diskussion und Austausch war die Gestaltung der Anzahl der Teilnehmer. Es wurde mit 50 Leuten gerechnet.

 

Beiträge:

Der Thementag begann mit dem Vortrag der Volkswirtin Frau Dr. Petra Kopf über „Wohlfahrt in Deutschland und in Burkina Faso". Sie versuchte, den Lebensstandard in diesen beiden Ländern mit wirtschaftlichen Indikatoren zu vergleichen. Diese sollten nicht nur den direkten wirtschaftlichen, monetären Bereich erfassen wie etwa das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – das allgemein für „Wohlstand" oder „Lebensstandard" steht. Die Lebensqualität in einem Land, die „Wohlfahrt", umfasst mehr. Dazu gehören noch das subjektive Wohlbefinden, die Verwirklichungschancen (z.B. in der Bildung), die Gesundheitsfürsorge und die Möglichkeiten für ein Leben in sozialen Verbindungen. Ein entsprechender Index der Vereinten Nationen (Human Development Index) beträgt für Burkina Faso 0,359, für Deutschland 0,947. D.h. die ungleiche Verteilung des BIP in der Bevölkerung afrikanischer Länder (in Burkina leben fast 50 % der Bevölkerung von 1 – 2 Dollar am Tag) macht sich hier bemerkbar. Unterschiede im materiellen Lebensstandard senken die Lebensqualität eines Landes dramatisch. Trotzdem ist der Indikator „Lebenszufriedenheit" auf der Skala von 0 – 10 in Burkina mit dem Faktor 4,4 noch relativ hoch (in Deutschland 7,1).

Die Ethnologin Maria Schwertl berichtete aus den Ergebnissen ihrer Dissertation zum Thema „Kulturelle Bedeutung und Richtung von Migration“. Sie untersuchte die Motive der Migranten, die nach Europa kommen. Deren Vorstellungen eines „glücklichen Lebens“ umfassen auch Bereiche, die für uns mittlerweile selbstverständlich geworden sind wie z.B. das Befreien aus familiären Strukturen. Nachdenken über das Glück ist wohl eine typisch europäische Eigenschaft. In Afrika ist die Suche nach dem Glück vorwiegend ökonomisch geprägt. Dafür werden bei einem Aufenthalt in Europa viele Nachteile in sozialer und klimatischer Hinsicht in Kauf genommen. Die Migranten sehen, dass Glück machbar ist als Ergebnis ihrer eigenen Arbeit. Die Migranten sind in der Regel stark mit ihrem Herkunftsland verbunden. Das führt oft zu einem Engagement bei privaten Entwicklungsprojekten und damit einer besonderen Glückserfahrung.

Herr Hamado Dipama vom Bayerischen Flüchtlingsrat und Herr Larba Nadieba vom Verein Burkinabé in Franken e.V. repräsentierten mit ihren Vorträgen die Erfahrungen der „Burkiner in Deutschland“. Es leben etwa 4000 Burkiner in Deutschland, in der Mehrheit gebürtig aus Gastarbeiterfamilien in Ghana und der Elfenbeinküste. Etwa 1200 Menschen davon sind geborene Burkiner, zu über 80 % Flüchtlinge und Migranten. Einerseits fühlt sich Herr Nadieba wohl in Deutschland, da er sich hier verwirklichen kann. Herr Dipama betonte aber die Probleme vieler Burkiner. Sie können wegen mangelnder Schulbildung, d.h. fehlender Sprachkenntnisse im Französischen und besonders im Deutschen ihren Alltag oft nicht gut zu bewältigen. Sie brauchen Hilfen beim Lesen von Briefen und beim Gang zu Behörden. Da haben die zahlreichen Selbsthilfevereine der Burkiner eine große Bedeutung.

Die Psychologin Frau Ursula Jocham beleuchtete das Thema „Stress und Burnout auf der Suche nach Glück und Reichtum“. Sie beschrieb die einzelnen Bereiche, die der Mensch auf seinem Weg zum Glück berührt und stellte nachdenkliche Fragen: Was treibt mich beim Streben nach Glück an? Warum strebe ich nach etwas, was ich nicht erreichen kann? Womit identifiziere ich mich? Identifiziere ich mich über meine Arbeit? Für die Verwirklichung meines Traumes muss ich in vielen Bereichen tätig werden: in der Arbeit, im Familienverbund, bei der Gesundheit, der Bewegung, meinen Gefühlen, bei der Sinnsuche. Vernachlässige ich einige davon, kommt es unter Umständen zu krankhaften Stresssymptomen, die eine Überprüfung meines Handelns notwendig machen. Interessanterweise hat sich aus Studien ergeben, dass glückliche Menschen „leicht bis mäßig glücklich“ sind.

Frau Gabi und Herr Hermann Schopferer aus Marburg berichteten als „Deutsche in Burkina Faso“ über ihre Erfahrungen aus längeren Aufenthalten in Burkina. Dort waren ihre Glückserfahrungen relativ einfach. Sie freuten sich über das Vorhandensein von Strom und Wasser, über die gute Gemeinschaft mit den Menschen. Ihre Kinder hatten in Diébougou eine behütete Kindheit mit vielen Freunden, ohne Fernsehen. Das warme Klima war angenehm. Ihre Erfahrungen als Entwicklungshelfer haben gezeigt, mit wie wenig Mitteleinsatz die Probleme der Bevölkerung nachhaltig gelöst werden können. Diese positiven Erfahrungen in Burkina kann man kaum in Deutschland haben. Die Kinder wachsen hier in Städten mit großer Reizüberflutung auf. Das Klima ist wechselhaft. Eine Bestätigung im Beruf ist oft erst in höheren Positionen möglich. Die Erfahrungen aus Afrika haben bei der Familie Schopferer in Deutschland zu einem bewussteren Leben, auch mit mehr Bescheidenheit im Konsum, geführt. Herr Schopferer betreibt heute eine kleine Firma mit 30 Angestellten in Bobo-Dioulasso, die Pflanzen wie Hibiskus-Blüten und Karité-Butter für die Lebensmittelindustrie nach Deutschland importiert. Er kann sich in Burkina als Selbständiger besser verwirklichen.

Herr Dr. Thomas Steinforth von der Caritas öffnete den Teilnehmern des Workshops die Augen für „Armut in einem reichen Land“. Er wies darauf hin, dass in Bayern 13 % der Bevölkerung als arm eingestuft werden können. Dabei handelt es sich meist um Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern, Langzeitarbeitslose und Menschen mit Migrationshintergrund. Armut bedeutet 1. Mangel an der Befriedigung von Grundbedürfnissen (Einkommen, Wohnen, Gesundheit, Konsummöglichkeiten),
2. Mangel an Bildungschancen und Sozialbezügen und als Folge dieser beiden ersten Punkte
3. Mangel an Achtung und Selbstachtung.
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist eine Armutsprävention in vielen Bereichen notwendig. Dazu gehört nicht nur eine bessere Befähigung des Einzelnen sondern auch eine Änderung der Verhältnisse, um z.B. eine Bildungsgerechtigkeit zu erreichen. Die Erfahrungen

Die Berliner Künstlerin Frau Gudrun F. Widlok stellte ihr Projekt „Adopted“ vor. 2001 begann sie mit einem Phantasieprojekt, nachdem ihr die Defizite bewusst wurden, die bei Familien in Europa bestehen. Sie zeigte auf einer Ausstellung nicht Fotos von traurigen afrikanischen Kindern, sondern von traurigen Europäern, die auf eine Patenschaft von Afrikanern warten. 2003 zeigte sie diese Fotos in Ouagadougou und Accra und bekam konkrete Angebote von Afrikanern – ihr Projekt wurde real. Wichtig ist, dass es bei diesen Patenschaften nur um persönliche Verbindungen geht, nicht um finanziellen Transfer. Jüngere und ältere Menschen aus Deutschland verbringen kürzere und längere Aufenthalte in afrikanischen Familien, deren Durchführungen direkt zwischen den Partnern vereinbart werden. Zurzeit gibt es in Europa 150 Bewerber. „Adopted“ ruft Irritationen hervor und macht die Defizite von Europa bewusst. Die bisherigen Erfahrungen von europäischen Gästen in afrikanischen Familien führen zur Schlussfolgerung: „Europa ist noch nicht bereit für die offenen Arme Afrikas“. (www.adopted.de)

Frau Jutta Jecht vom Arbeitskreis Burkina Faso der Evangelischen Kirche Stockdorf berichtete über die Finanzierung eines Schulbaus und der Schulspeisung in einem armen Viertel von Ouagadougou. Zahlreiche Einzelaktivitäten und viele kleine Spenden ermöglichten dieses. Z.B. am 3. Oktober wird in der Gemeinde Stockdorf u.a. zu diesem Zweck wieder ein Afrikatag veranstaltet.

Herr Alfred Ouoba hat vor sieben Jahren im Dorf Tiantiaka bei Fada N'Gourma das interkulturelle „Festival Dilembu au Gulma“ (FESDIG) gegründet, das jedes Jahr im Frühjahr mit wachsender Teilnehmerzahl stattfindet. Mit Unterstützung aus Belgien konnten im Dorf zahlreiche Verbesserungen erreicht werden, z.B. Straßenbau, Wasserversorgung, Bau von Gästehäusern. Eine Sache mit Zukunft. (www.fesdig.org)

Der Thementag war in dieser Form nur dank der großzügigen und großartigen Unterstützungen und Zusagen von Förderern und Kooperationspartnern möglich:
- Coming Home von der Landeshauptstadt München
- Little Art e.V. in München
- Caritas Verband Erzdiözese München und Freising
- Gefördert aus Mitteln der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

- Gefördert aus Mitteln des Katholischen Fonds
- Gefördert von InWent gGmbH aus Mitteln vom BMZ

Für ihre Beratung und wegweisenden Tipps gilt ein besonderer Dank an:
- Frau Sylvie Glaser
- Frau Renate Hechenberger
- Herr Dr. Wolfgang Hopfensitz
- Frau Dr. Petra Kopf
- Frau Nadane Nikabou
- Herr Nikolaus Nöscher
- Frau Gabi Schopferer
- Frau Caroline Seiler
- Frau Monika Seidl

 

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